Zurück zum Artikel

Wie läuft eine IVF mit der ICSI-Methode ab?

Wie läuft eine IVF mit der ICSI-Methode ab?

Kurz gesagt Die IVF mit ICSI ist eine moderne Methode der assistierten Reproduktion, die eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Unfruchtbarkeit spielt, insbesondere bei männlicher Unfruchtbarkeit. Die Methode wurde 1990 entwickelt, und bereits zwei Jahre später kam das erste mithilfe dieser Technik gezeugte Kind zur Welt. Durch das direkte Einbringen eines einzelnen Spermiums in das Zytoplasma der Eizelle werden viele Barrieren umgangen, die eine natürliche Befruchtung erschweren könnten. Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn Spermien nicht in der Lage sind, die die Eizelle umgebende Zona pellucida selbstständig zu durchdringen. Diese Methode kann die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung im Rahmen einer IVF erhöhen und stellt daher ein sehr effektives Verfahren der künstlichen Befruchtung dar.

Wie funktioniert die Befruchtung mit der ICSI-Methode?

Die IVF mit ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) unterscheidet sich von der konventionellen IVF vor allem darin, wie Spermium und Eizelle zusammengebracht werden. Bei der klassischen IVF werden die Spermien in optimaler Konzentration in der Nähe der Eizelle inkubiert, sodass die Befruchtung auf eine Weise erfolgen kann, die dem natürlichen Prozess ähnelt. Bei der ICSI ist das Verfahren hingegen technisch aufwendiger: Ein Spermium wird von einem Embryologen ausgewählt und anschließend mithilfe einer speziellen dünnen Nadel direkt in das Zytoplasma der Eizelle injiziert.

Diese Technik bietet insbesondere dann größere Möglichkeiten, wenn die Spermien zu schwach oder nicht ausreichend beweglich sind, um die Eizelle selbstständig zu erreichen. Dank dieser Technologie besteht selbst bei einer sehr geringen Anzahl von Spermien im Ejakulat oder bei eingeschränkter Spermienbeweglichkeit die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung. Mit diesem Verfahren können auch Probleme aufgrund einer auffälligen Spermienmorphologie überwunden werden. Dies gilt ebenfalls für Situationen, in denen durch eine Hodenbiopsie nur einzelne Spermien direkt aus dem Hodengewebe gewonnen werden können – erklärt Aleksandra Mospinek, MSc, Leiterin des Embryologielabors der Klinika Bocian in Łódź.

Auf Grundlage der ICSI-Methode wurden auch weitere Techniken entwickelt:

  • PICSI – Auswahl der Spermien anhand ihrer Fähigkeit, an Hyaluronan zu binden.
  • IMSI – Auswahl eines Spermiums mit optimaler Morphologie unter Verwendung einer sehr starken Vergrößerung und spezieller Kontrastoptik.

Wir sind hier, um Ihre Fragen zu beantworten

Kontaktieren Sie unseren Spezialisten

Indikationen für die Anwendung der ICSI-Methode

ICSI ist derzeit eine der am häufigsten eingesetzten Methoden der In-vitro-Fertilisation. Sie wird insbesondere empfohlen, wenn bei einem Paar Fruchtbarkeitsprobleme aufgrund männlicher Unfruchtbarkeit vorliegen. Ein Beispiel ist die Oligozoospermie, bei der die Anzahl der Spermien im Ejakulat zu gering ist, wodurch die Chancen auf eine natürliche Befruchtung erheblich reduziert sein können. Eine weitere Indikation ist die Asthenozoospermie, bei der die Beweglichkeit der Spermien eingeschränkt ist und sie die Eizelle nicht erreichen können. Bei der Teratozoospermie weisen die Spermien wiederum eine auffällige Morphologie auf, wodurch eine natürliche Befruchtung ebenfalls erschwert oder verhindert werden kann. ICSI wird außerdem bei Männern mit Azoospermie, also dem Fehlen von Spermien im Ejakulat, eingesetzt.

In solchen Fällen können Spermien mittels Biopsie direkt aus dem Hoden (TESE) oder dem Nebenhoden (MESA) gewonnen werden. Die direkte Injektion eines Spermiums wird auch eingesetzt, wenn vorherige Versuche mit einer konventionellen IVF erfolglos waren, beispielsweise wenn keine Befruchtung stattgefunden hat oder die Anzahl der befruchteten Eizellen beziehungsweise der weitere Verlauf der Embryokultur nicht zufriedenstellend waren.

Das ICSI-Verfahren kann außerdem bei fortgeschrittenem Alter der Patientin, diagnostizierter Endometriose, niedriger ovarieller Reserve sowie bei einer geplanten Präimplantationsdiagnostik empfohlen werden.

Eine weitere Indikation für ICSI können immunologische Faktoren sein, bei denen das Immunsystem der Frau Antikörper gegen Spermien bildet. Diese sogenannten Antispermien-Antikörper können Spermien unbeweglich machen oder zerstören und dadurch verhindern, dass sie die Eizelle erreichen und befruchten. In solchen Situationen kann ICSI eine wirksame Lösung darstellen, da die natürliche Penetration der Eizelle durch das Spermium umgangen wird.

ICSI kann auch dann sinnvoll sein, wenn Samen eingefroren wurde und seine Qualität nach dem Auftauen vermindert ist. Kryokonservierte Spermien können eine eingeschränkte Beweglichkeit und Vitalität aufweisen, während ICSI ihre effektive Nutzung ermöglichen kann. Darüber hinaus kann diese Technik auch bei idiopathischer Unfruchtbarkeit, also Unfruchtbarkeit unbekannter Ursache, eingesetzt werden, wenn ein Paar trotz unauffälliger Untersuchungsergebnisse und ohne erkennbare gesundheitliche Probleme nicht schwanger wird – ergänzt Aleksandra Mospinek, MSc, von der Klinika Bocian in Łódź.

Vorbereitung der Patientin auf die ICSI

Der gesamte Prozess beginnt mit der Vorbereitung der Patientin durch eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Ziel dieser Stimulation ist es, eine größere Anzahl reifer Eizellen zu gewinnen und dadurch die Erfolgschancen des Verfahrens zu erhöhen. Die Patientin erhält Hormone, die die Reifung der Eierstockfollikel fördern. Zum geeigneten Zeitpunkt des Zyklus werden die reifen, zur Befruchtung geeigneten Eizellen im Rahmen einer Follikelpunktion entnommen. Die Eizellentnahme erfolgt unter Ultraschallkontrolle und unter Vollnarkose. Gleichzeitig gibt der männliche Partner durch Masturbation eine Samenprobe ab, die anschließend im andrologischen Labor sorgfältig aufbereitet und selektiert wird.

Die ICSI-Behandlung Schritt für Schritt

Nach entsprechender Aufbereitung der Samenprobe und der Eizellen wählt der Embryologe im Labor ein Spermium mit geeigneter Morphologie für die Befruchtung aus. Der entscheidende Schritt des ICSI-Verfahrens ist die Mikroinjektion eines einzelnen Spermiums direkt in das Zytoplasma der Eizelle. Mithilfe eines Mikromanipulators und eines hochauflösenden Mikroskops mit sehr starker Vergrößerung bringt der Embryologe das ausgewählte Spermium mit einer speziellen Nadel direkt in die Eizelle ein.

Nach der Befruchtung werden die Eizellen in spezielle Kulturmedien und Inkubatoren gegeben, in denen sich die Embryonen unter kontinuierlicher Kontrolle durch Embryologen entwickeln können. In den folgenden Tagen werden die Embryonen hinsichtlich ihrer Qualität und ihres Entwicklungspotenzials beurteilt und überwacht. Zu den Bewertungskriterien gehören unter anderem die Größe und das Erscheinungsbild der Blastomeren, also der Zellen, aus denen der Embryo besteht, sowie das Ausmaß kernloser Fragmente.

Die Embryonen mit der besten Entwicklungsprognose werden für den Transfer in die Gebärmutter ausgewählt, der in der Regel 3 bis 5 Tage nach der Befruchtung erfolgt. Heutzutage werden am häufigsten Blastozysten, also Embryonen am 5. oder 6. Entwicklungstag, transferiert.


Expertin: Aleksandra Mospinek, MSc, Senior Clinical Embryologist und Leiterin des Embryologielabors der Klinika Bocian in Łódź

Weitere Informationen zu

Siehe auch