Indikationen für die Anwendung der ICSI-Methode
ICSI ist derzeit eine der am häufigsten eingesetzten Methoden der In-vitro-Fertilisation. Sie wird insbesondere empfohlen, wenn bei einem Paar Fruchtbarkeitsprobleme aufgrund männlicher Unfruchtbarkeit vorliegen. Ein Beispiel ist die Oligozoospermie, bei der die Anzahl der Spermien im Ejakulat zu gering ist, wodurch die Chancen auf eine natürliche Befruchtung erheblich reduziert sein können. Eine weitere Indikation ist die Asthenozoospermie, bei der die Beweglichkeit der Spermien eingeschränkt ist und sie die Eizelle nicht erreichen können. Bei der Teratozoospermie weisen die Spermien wiederum eine auffällige Morphologie auf, wodurch eine natürliche Befruchtung ebenfalls erschwert oder verhindert werden kann. ICSI wird außerdem bei Männern mit Azoospermie, also dem Fehlen von Spermien im Ejakulat, eingesetzt.
In solchen Fällen können Spermien mittels Biopsie direkt aus dem Hoden (TESE) oder dem Nebenhoden (MESA) gewonnen werden. Die direkte Injektion eines Spermiums wird auch eingesetzt, wenn vorherige Versuche mit einer konventionellen IVF erfolglos waren, beispielsweise wenn keine Befruchtung stattgefunden hat oder die Anzahl der befruchteten Eizellen beziehungsweise der weitere Verlauf der Embryokultur nicht zufriedenstellend waren.
Das ICSI-Verfahren kann außerdem bei fortgeschrittenem Alter der Patientin, diagnostizierter Endometriose, niedriger ovarieller Reserve sowie bei einer geplanten Präimplantationsdiagnostik empfohlen werden.
Eine weitere Indikation für ICSI können immunologische Faktoren sein, bei denen das Immunsystem der Frau Antikörper gegen Spermien bildet. Diese sogenannten Antispermien-Antikörper können Spermien unbeweglich machen oder zerstören und dadurch verhindern, dass sie die Eizelle erreichen und befruchten. In solchen Situationen kann ICSI eine wirksame Lösung darstellen, da die natürliche Penetration der Eizelle durch das Spermium umgangen wird.
– ICSI kann auch dann sinnvoll sein, wenn Samen eingefroren wurde und seine Qualität nach dem Auftauen vermindert ist. Kryokonservierte Spermien können eine eingeschränkte Beweglichkeit und Vitalität aufweisen, während ICSI ihre effektive Nutzung ermöglichen kann. Darüber hinaus kann diese Technik auch bei idiopathischer Unfruchtbarkeit, also Unfruchtbarkeit unbekannter Ursache, eingesetzt werden, wenn ein Paar trotz unauffälliger Untersuchungsergebnisse und ohne erkennbare gesundheitliche Probleme nicht schwanger wird – ergänzt Aleksandra Mospinek, MSc, von der Klinika Bocian in Łódź.
Vorbereitung der Patientin auf die ICSI
Der gesamte Prozess beginnt mit der Vorbereitung der Patientin durch eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Ziel dieser Stimulation ist es, eine größere Anzahl reifer Eizellen zu gewinnen und dadurch die Erfolgschancen des Verfahrens zu erhöhen. Die Patientin erhält Hormone, die die Reifung der Eierstockfollikel fördern. Zum geeigneten Zeitpunkt des Zyklus werden die reifen, zur Befruchtung geeigneten Eizellen im Rahmen einer Follikelpunktion entnommen. Die Eizellentnahme erfolgt unter Ultraschallkontrolle und unter Vollnarkose. Gleichzeitig gibt der männliche Partner durch Masturbation eine Samenprobe ab, die anschließend im andrologischen Labor sorgfältig aufbereitet und selektiert wird.
Die ICSI-Behandlung Schritt für Schritt
Nach entsprechender Aufbereitung der Samenprobe und der Eizellen wählt der Embryologe im Labor ein Spermium mit geeigneter Morphologie für die Befruchtung aus. Der entscheidende Schritt des ICSI-Verfahrens ist die Mikroinjektion eines einzelnen Spermiums direkt in das Zytoplasma der Eizelle. Mithilfe eines Mikromanipulators und eines hochauflösenden Mikroskops mit sehr starker Vergrößerung bringt der Embryologe das ausgewählte Spermium mit einer speziellen Nadel direkt in die Eizelle ein.
Nach der Befruchtung werden die Eizellen in spezielle Kulturmedien und Inkubatoren gegeben, in denen sich die Embryonen unter kontinuierlicher Kontrolle durch Embryologen entwickeln können. In den folgenden Tagen werden die Embryonen hinsichtlich ihrer Qualität und ihres Entwicklungspotenzials beurteilt und überwacht. Zu den Bewertungskriterien gehören unter anderem die Größe und das Erscheinungsbild der Blastomeren, also der Zellen, aus denen der Embryo besteht, sowie das Ausmaß kernloser Fragmente.
Die Embryonen mit der besten Entwicklungsprognose werden für den Transfer in die Gebärmutter ausgewählt, der in der Regel 3 bis 5 Tage nach der Befruchtung erfolgt. Heutzutage werden am häufigsten Blastozysten, also Embryonen am 5. oder 6. Entwicklungstag, transferiert.
Expertin: Aleksandra Mospinek, MSc, Senior Clinical Embryologist und Leiterin des Embryologielabors der Klinika Bocian in Łódź